CMD – eine Krankheit mit vielen Gesichtern

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Zu allen Zeiten hat es Krankheiten gegeben, die zunächst nicht ernst genommen wurden. Man könnte es geradezu als Problem der Wissenschaft bezeichnen, dass Sie neuen Phänomenen zunächst unaufgeschlossen gegenübertritt.

Doch das wäre zu kurz gegriffen. Man soll die Voraussetzungen klein halten, den Boden der Tatsachen nicht verlassen, wenn man Wissenschaft betreibt. So lautet ein Gebot, das sich über viele Jahrhunderte bewährt hat. Die Wissenschaftstheorie nennt diese Haltung Occams Rasiermesser.

Misstrauisch wird daher in der Medizin natürlicherweise auf Krankheiten reagiert, die viele und vor allem unterschiedliche Symptome hervorrufen können.
Die CMD, die Craniomandibuläre Dyfunktion, ist so ein Fall.

Szenenwechsel: Zugabteil.

„Cranio… was?“, erkundigte sich Susa bei ihrem Mitreisenden, als dieser ihr das Buch vor die Augen hielt, zwischen dessen Zeilen er sich bis gerade eben verkrochen hatte.
„Cranio, das ist Lateinisch von cranium = Kopf, Schädel. Dann folgt die nähere Bestimmung: mandibulär, von mandibula-“
Susa musste Gähnen.
“Ja, wieder Lateinisch“, setzte der Mann lächelnd nach als der Gähner verebbt war, „Unterkiefer.“
Susa verdrehte die Augen, doch das schien den Mann nicht zu beirren, denn er richtete sich nun vollends auf und erklärte: „Jetzt geht es ins Griechische: Dys, das ist die Vorsilbe für nicht oder fehl-“
„Die CMD ist also eine Funktionsstörung des Zusammenspiels von Unterkiefer und Schädel“ , unterbrach Susa, da Sie diese Unterhaltung abkürzen wollte.“
„Rene“, sagte der Mann freundlich und meinte damit offenkundig sich selbst. Kurz schien es, als wollte er ihr die Hand reichen, dann beließ er es bei einem Nicken. (…)

Wir wollen versuchen, hinter diese griechisch-römische Fassade zu blicken und in Erfahrung bringen, um was es da eigentlich geht, wenn von CMD die Rede ist.

Craniomandibuläre Dysfunktion